Von langer Hand geplanter, schleichender Abbau – nicht mit uns Schwyzerinnen und Schwyzern!

Bereits 10 Jahre nachdem der Kanton die Schulräume mit dem Versprechen, in Nuolen weiterhin eine Mittelschule zu betreiben, mehr als günstig erwerben konnte, wurde dieser Standort unbegründet und unkommentiert provisorisch eingestuft. Seit dieser Attacke auf den Schulstandort in der March im Jahr 2005 wurde dort das Mittelschulangebot stetig ausgedünnt und die neuen, attraktiven Schulangebote am Standort in Pfäffikon zentralisiert.

Das vom Regierungsrat angeordnete Konzept «einer Schule mit zwei Standorten» wurde von Anfang an torpediert und nie gleichberechtigt umgesetzt.  Die Ungleichbehandlung wurde 2010 durch den Regierungsrat, der sich zwar grundsätzlich für den Erhalt beider Standorte aussprach, gleichzeitig aber grundlos und ohne Not den „provisorischen“ Standort Nuolen zum Nebenstandort erklärte, zementiert. Warum in diesem RRB detailliert in die Belange der Schulführung eingegriffen wurde, bleibt bis heute unerklärlich.

Baudepartement entscheidet über Schulinfrastruktur und über Bildungsfragen

2014 sah der Kanton eine weitere Chance, den Mittelschulstandort in der March endlich zu schliessen. Diesmal aus baulichen Gründen(!), nachdem sich einmal mehr keine pädagogischen Gründe finden liessen: Das erst 40 Jahre alte Gebäude in Pfäffikon, das wenige Jahre zuvor noch hätte aufgestockt werden sollen, wird als völlig marode begutachtet. Neue Experten erklären, dass es nicht mehr sanierbar sei. Dank einer millionenteuren Verbesserung der Statik konnte zwar das Gebäude auf Zeit erdbebensicher gemacht werden, aber der Neubau wurde unausweichlich.

Ganz nach dem Motto: «Nicht kleckern, sondern klotzen», wurde die Möglichkeit für einen eigentlichen Ersatzbau der 350 Schüler des Standorts Pfäffikon nie ins Auge gefasst sondern ein Riesencampus für 600 Schüler geplant. Der Standort Nuolen wurde dem neuen Projekt einverleibt ohne Anliegen der Bildung, der Umwelt und der Verkehrsführung zu diskutieren, geschweige denn zu berücksichtigen.

March verliert wichtiges Schulangebot

Mit der vom Regierungsrat geplanten Aufgabe des gesetzlich verankerten Mittelschulstandortes Nuolen der KSA verliert die March einerseits ein wichtiges, seit 85 Jahren existierendes schulisches Grundangebot und andererseits die letzte kantonale Verwaltungseinheit im Bezirk.

Aus den verschiedenen Varianten zur Sanierung und Werterhaltung der Schulstandorte Pfäffikon und Nuolen hat der Regierungsrat mit dem Neubau und der Zusammenführung der Standorte den teuersten Weg gewählt. Dass die erst rund 45-jährigen Gebäude der KSA in Pfäffikon in schlechtem Zustand sind und Handlungsbedarf besteht, ist kein einleuchtender Grund den gut funktionierende, zweckmässig und modern eingerichtete Mittelschulstandort in der March zu opfern; erst recht nicht auf Kosten des Steuerzahlers für rund 100 Mio.!

Recht auf Bildung vor Ort

Die Kostenunterschiede zwischen dem Neubau einer Mammut-Schule und der Variante mit dem redimensionierten Neubau in Pfäffikon und einer vernünftigen Sanierung in Nuolen sind frappant. Für weniger als die Hälfte des vorgesehenen Betrags könnte diese Variante realisiert werden. 40 anstelle von 100 Millionen mit kleineren Standorten, die eine förderlichere und persönlichere Lernumgebung für die Schülerinnen und Schüler darstellen. Eine «win-win-Situation», könnte man meinen.

Es braucht hier vom Regierungsrat lediglich den spürbaren Willen, in die bewährte dezentrale Bildung und ins besonders auch in die Bildung in der March zu investieren. Kosteneinsparungen können mit der Zentralisierung der Mittelschule in Pfäffikon keine gemacht werden. Im Gegenteil:  Verwaltungsaufwand und zusätzliche Abschreibungen würden den Staatshaushalt unverhältnismässig belasten.

Chronologie

  • 1995

Volksabstimmung: Mit gut 67% Ja-Anteil beschliesst das Schwyzer Stimmvolk, die Schulanlagen des Christkönig-Kollegs Nuolen samt Schulinventar auf den 1. August 1997 für Fr. 7.85 Mio. zu übernehmen und künftig im gleichberechtigten Verbund mit der Kantonsschule Pfäffikon die Mittelschule in Nuolen weiterzuführen.

Der Kanton ist Träger der Mittelschulen in Schwyz, in Pfäffikon und Nuolen (§ 1 des Gesetzes über die Mittelschulen im Kanton Schwyz, SRSZ 623.100).

  • 1997

Beginn der Umsetzung der Schule mit zwei Standorten im ersten gemeinsamen Schuljahr.

  • 2005

RRB Nr. 137/2005 zum Mittelschulkonzept 2005, welcher Nuolen zum Provisorium erklärt, wird im Kantonsrat mit 55 Ja ohne Zustimmung zur Kenntnis genommen, 23 Kantonsräte stimmen für Rückweisung.

  • 2010

RRB Nr. 81/2010: Grundsatzentscheid des Regierungsrats für zwei Standorte mit Nuolen als Nebenstandort, an dem bestimmte Schwerpunktfächer nicht mehr geführt werden dürfen. Das Baudepartement wird beauftragt, zusammen mit der Schulleitung ein Sanierungskonzept für beide Standorte auszuarbeiten.

  • 2014

RRB Nr. 979/2014: Gestützt auf Zustandsberichte mit Sanierungskonzepten für beide Standorte und eine Machbarkeitsstudie beschliesst der Regierungsrat, dass die KSA ab ca. 2025 nur noch auf dem bestehenden Areal in Pfäffikon geführt werden soll. Als Ersatz für die Schulgebäude an den bisherigen zwei Standorten sei für das Areal in Pfäffikon ein entsprechender Neubau zu projektieren.

  • 2016

RRB Nr. 1293/2014: Der Kantonsrat bewilligt den Planungskredit in der Höhe von Fr. 6 Mio. Ein Rückweisungsantrag verlangt, dass Szenario A (Beibehaltung der beiden bisherigen Standorte) und Szenario B (Zusammenlegung am Standort Pfäffikon) einander auch pädagogisch gegenübergestellt werden und dass für Szenario A eine Variante mit eigenständiger Schulorganisation und sich ergänzenden Maturitätsprofilen an den beiden Standorten aufgezeigt wird. Dieser Rückweisungsantrag findet keine Mehrheit.

  • 2018

Der Kanton präsentiert das Siegerprojekt zum Neubau der KSA in Pfäffikon. Das Projekt für den Ausbau des Standorts Pfäffikon liegt vor und wird bei einer Genauigkeit von +/- 10% mit Fr. 95 Mio. (inkl. Tiefgarage) budgetiert. Im Herbst 2018 soll die definitive Vorlage im Kantonsrat behandelt werden. Sollte der Kantonsrat mit einer 2/3-Mehrheit dem Baukredit zustimmen, wird kein obligatorisches Referendum für diesen Kredit ausgelöst.

  • 2018

Die Gemeindepräsidenten der March sprechen sich unisono für die Erhaltung des Mittelschulstandorts Nuolen aus.

  • 2019

RRB Nr. 181/2019: Der Kantonsrat bewilligt den grössten jemals verlangten Baukredit für ein Hochbauprojekt, dies zum Neubau der KSA Pfäffikon. Er gibt damit den intakten, modernen Schulstandort in der March auf.

  • 2019

Ein «Komitee für eine kostengünstige und dezentrale Mittelschulstruktur» aus der IG Mittelschule March hat sich entschlossen, gegen diesen Beschluss das Referendum zu ergreifen und so eine Volksabstimmung zu ermöglichen.

  • 24 November 2019

Volksabstimmung zum Baukredit der KSA in Pfäffikon.